Genießen trotz Lebensmittelallergie

In Deutschland leiden 25 Millionen Menschen unter Allergien. Experten befürchten, dass in Zukunft jeder Zweite in Deutschland betroffen ist. Je nach Erklärungsmodell gibt es verschiedene Theorien für den Anstieg. Einerseits spielen die gut isolierten Wohnungen eine Rolle. Andererseits wird der steigende Leistungsdruck und Stress unserer Gesellschaft für den Anstieg allergischer Erkrankungen verantwortlich gemacht. Eine andere Vermutung begründet den Anstieg mit der Tatsache, dass wir zu sauber leben und unser Abwehrsystem „gelangweilt“ ist.

Lebensmittel-Unverträglichkeiten

Nicht jede unerwünschte Reaktion nach dem Essen ist direkt eine Erkrankung oder eine Allergie. So können Bauchschmerzen und Blähungen nach dem Verzehr von ballaststoffreichem Gemüse harmlose Verdauungsbeschwerden sein, die durch ein gesünderes Essverhalten schnell wieder in den Griff zu bekommen sind.

Treten allerdings öfters nach dem Essen Beschwerden auf, die über die harmlosen Empfindlichkeiten hinausgehen, werden je nachdem, welcher krankmachende Mechanismus im Körper abläuft, verschiedene Lebensmittelunverträglichkeiten unterschieden:

  • Toxische Reaktionen (Vergiftungen)
  • Psychosomatische Reaktionen (Aversionen)
  •  Allergische Reaktionen (Milcheiweißallergie)
  • Malabsorptionen (z.B. Unverträglichkeit von Fruchtzucker)
  • Enzymdefekte (z.B. Laktose-Intoleranz)
  • Reaktionen auf natürliche oder künstliche Inhaltsstoffe, so genannte Pseudoallergien (z.B. Salicylsäure, biogene Amine oder Konservierungsstoffe)

Was ist eine Allergie?

Allergische Reaktionen auf Lebensmittel treten als Abwehrreaktion des Körpers auf. Der Betroffene reagiert auf normalerweise “ungefährliche” Stoffe, wie zum Beispiel Nüsse, mit einer überschießenden Immunreaktion. Bei dieser Reaktion werden vermehrt spezielle Antikörper des Typs IgE gegen die vermeintliche Gefahrenquelle (Allergen) – in diesem Fall- die Nuss gebildet. Auslöser der Reaktion ist dabei nicht das ganze Lebensmittel, sondern nur ein sehr kleiner Eiweiß (=Protein)-Teil.

Wie erkenne ich eine Lebensmittelallergie?
Allergische Reaktionen auf Lebensmittel können in unterschiedlicher Form und Stärke auftreten und den gesamten Körper betreffen. Die häufigsten Symptome sind Juckreiz, Hautausschlag, Anschwellen der Schleimhäute, Niesattacken, Fließschnupfen, Atemnot oder Durchfall und Übelkeit. Die seltenste aber auch schwerste allergische Reaktion auf Lebensmittel ist der anaphylaktische Schock, der sich in Form eines lebensbedrohlichen Kreislaufzusammenbruchs äußern kann.
Die allergischen Beschwerden können direkt nach dem Verzehr eines Lebensmittels auftreten aber auch bis zu 72 Stunden zeitverzögert.

Die Top Ten der Allergieauslöser

Im Prinzip kann jedes Lebensmittel eine Allergie auslösen. Je nach Alter stehen bestimmte Auslöser im Vordergrund.
Säuglingsalter: Kuhmilch, Soja und Hühnerei
Kindesalter: Kuhmilch, Soja und Hühnerei, Nüsse, Fisch und Weizen
Jugendliche und Erwachsene: Rohe Gemüse (Sellerie, Paprika, Möhren) und Obstsorten (Äpfel, Kirschen, Pflaumen), Gewürze (Sellerie, Paprika, Pfeffer, Muskat), Nüsse (Hasel-, Wal-, Cashewnüsse) und Erdnüsse.

Die Diagnose beim Facharzt

Die Diagnose einer Lebensmittelallergie erfordert vom Arzt und Patient viel Geduld und fast detektivischen Spürsinn. Zur Diagnose muss ein Facharzt (Allergologe) aufgesucht werden, der verschiedene Haut- und/oder Bluttest durchführt. Ob die Testergebnisse zu den Beschwerden passen, muss durch spezielle Diäten überprüft werden. Hierbei helfen allergologisch geschulte Ernährungsfachkräfte, die mit dem Arzt zusammenarbeiten.

Gut leben trotz Lebensmittelallergie

Um eine Lebensmittelallergie erfolgreich zu behandeln und die Beschwerden zu lindern, müssen die eindeutig identifizierten Auslöser strikt gemieden werden. Dabei ist immer die individuelle Situation des Einzelnen zu berücksichtigen. Eine allgemeine  „Allergie-Diät“ gibt es nicht. Aufgrund der individuellen Auslöser hat immer nur ein speziell für den Patienten aufgestellter Ernährungsplan Gültigkeit.
Je nach Allergie kann die Einschränkung der Lebensmittel minimal sein und ist im Alltag schnell umgesetzt. Müssen jedoch Grundnahrungsmittel wie zum Beispiel Milch oder Weizen gemieden werden, tauchen im ersten Moment viele Probleme und Fragen auf. Um weiterhin Spaß und Genuss am Essen zu haben, fit und leistungsfähig zu sein empfiehlt sich eine individuelle Ernährungsberatung durch eine allergologisch geschulte Fachkraft. Im Rahmen einer solchen Beratung werden Alternativen zu unverträglichen Lebensmitteln aufgezeigt, Rezepte erarbeitet und viele praktische Tipps für den Umgang mit einer Lebensmittelallergie vermittelt.