„Superfruits“ – diese verheißungsvolle Bezeichnung klingt nach überdurchschnittlicher Power. Kein Wunder, denn der Begriff stammt ursprünglich aus dem Marketing-Bereich. Er ist abgeleitet aus dem 2004 erschienenen Buch „Superfoods Rx“, das über besondere, gesundheitlich wirksame Lebensmittel berichtet. Als Superfruits werden im Allgemeinen Früchte bezeichnet, die einen außerordentlich hohen Gehalt an Antioxidantien und Vitaminen aufweisen. Aber halten die Superfrüchte auch das, was sie versprechen?
Der Begriff „Superfruits“ ist nicht eindeutig definiert, deshalb werden die verschiedensten Früchte zur Riege der Superhelden gezählt. Dabei handelt es sich vor allem um Obstsorten, die auffällig hohe Mengen an Vitaminen, Antioxidantien oder anderen wertvollen Pflanzenstoffen enthalten. Genannt werden in diesem Zusammenhang vor allem Acai-Beeren, Acerola-Kirschen, Cranberries, Goji-Beeren, Granatäpfel, und Heidelbeeren. Aber auch Holunderbeeren, schwarze Johannisbeeren, Pflaumen, Sanddorn, rote Trauben, Guaven, Mangos oder Noni schmücken sich mit dem Titel Superfrucht.
Eines der wichtigsten Kriterien für Superfrüchte ist ihr extrem hoher Gehalt an Antioxidantien. Diese natürlichen Pflanzenstoffe wirken als Radikalfänger, da sie aggressive freie Radikale unschädlich machen können. Freie Radikale sind reaktionsfreudige Verbindungen, die im menschlichen Körper durch den Stoffwechsel entstehen, aber auch durch Rauchen, UV-Strahlung und Umwelteinflüsse verursacht werden können. Sie können Körperzellen und das Erbgut schädigen.
Die schützende Kraft der Früchte
Die Fähigkeit eines Lebensmittels, Radikale unschädlich zu machen, wird gemessen mit dem so genannten ORAC-Wert (Oxygen Radical Absorbance Capacity). Unklar ist allerdings bisher, wie gut ein hoher ORAC-Wert im menschlichen Körper tatsächlich wirkt.
| Frucht | ORAC-Wert |
|---|---|
| Acai-Beeren getr. | ca. 100.000 |
| Goji-Beeren | ca. 30.000 |
| Holunderbeeren | ca. 15.000 |
| Cranberries | ca. 10.000 |
| Schwarze Johannisbeeren | ca. 8.000 |
| Pflaumen | ca. 7.500 |
| Heidelbeeren | ca. 6.500 |
Viele Superfruits zeichnen sich nicht nur als Radikalfänger aus. Häufig punkten sie auch mit reichlich Vitaminen, Mineralstoffen oder gesundheitsfördernden Pflanzenstoffen. Gerade die Vitamine A, C und E, die zugleich Antioxidantien sind, kommen oft in großen Mengen vor. Acerola-Kirschen beispielsweise enthalten mehr als 30 mal so viel Vitamin C, wie eine Orange.
Sekundäre Pflanzenstoffe werden für entzündungshemmende, antibiotische oder vor Krebs schützende Wirkungen verantwortlich gemacht. So sollen Polyphenole aus der Acai-Beere das Wachstum von Leukämie-Zellen um bis zu 86 % reduzieren. Gerbstoffe aus Cranberries können Harnwegsinfekten vorbeugen. Anthocyane, die blauen Farbstoffe der Heidelbeere, sollen gegen Darmentzündungen wirken. Viele vollmundige Versprechen der Anbieter konnten jedoch bisher nicht wissenschaftlich belegt werden.
Hohe Gehalte an wertvollen Inhaltsstoffen bei gleichzeitig wenig Kalorien – das macht die so genannten Superfrüchte zu idealen Nährstofflieferanten. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass hier Spitzenwerte einzelner Nährstoffe betrachtet werden. Letztlich benötigen wir jedoch eine ausgewogene Mischung verschiedenster Nährstoffe. Insofern ist es sicherlich nicht hilfreich, sich nur noch auf Superfrüchte zu beschränken. Auch andere Früchte und Lebensmittel haben ihren wichtigen Stellenwert. Doch Superfrüchte sind prima als kleine Highlights in einer insgesamt gesunden und abwechslungsreichen Kost.
Hier finden Sie ein leckeres Rezept für einen Heidelbeer-Drink zum selber machen.
Steckbriefe einiger Superfrüchte
Acai-Beeren sind die Früchte der Kohlpalme, die im Amazonasgebiet Nord-Brasiliens wächst. Die dunkelblauen, leicht schokoladig schmeckenden Früchte sind Spitzenreiter im Gehalt an Antioxidantien. Sie sollen zudem den Cholesterin-Spiegel senken und vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Auch eine positive Wirkung beim Abnehmen wird versprochen, die jedoch nicht wissenschaftlich nachweisbar ist.
Goji-Beeren kommen vorwiegend aus China und werden traditionell in der chinesischen Medizin verwendet. Die roten Früchte des Gemeinen Bocksdorns, enthalten neben reichlich Antioxidantien viel Beta-Carotin und viele B-Vitamine. Zudem gibt es erste Hinweise, dass Goji-Beeren das Immunsystem stärken und vor Krebs schützen könnten.
Acerola-Kirschen sind vor allem für ihren extrem hohen Gehalt an Vitamin C bekannt. Mit 1.700 mg Vitamin C pro 100 g decken schon 6 g Acerola-Kirschen den Tagesbedarf. Allerdings lassen sich die empfindlichen, vorwiegend in Mittel- und Südamerika angebauten Früchte schlecht transportieren. Deshalb werden sie bei uns meist als Saft oder Tabletten angeboten.
Heidelbeeren enthalten besonders viele Anthocyane. Diese blauen Pflanzenfarbstoffe sind gute Radikalfänger und wirken entzündungshemmend. Zugleich liefern Heidelbeeren die Vitamine C und E, sowie reichlich Vitamin K und verdauungsfördernde Ballaststoffe.
Cranberries zeichnen sich durch einen besonders hohen Gehalt an Antioxidantien aus und sind damit wirksame Radikalfänger. In Cranberries enthaltene Gerbstoffe aus der Gruppe der Polyphenole, sollen vor Harnwegsinfekten schützen. Die roten Früchte der Moos- oder Kranbeere kommen vorwiegend aus Nordamerika.
Granatäpfel gelten in ihrer Heimat Persien seit Urzeiten als Heilmittel. Sie enthalten viele Antioxidantien, besitzen entzündungshemmende Eigenschaften, sowie schützende Wirkungen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Diese werden vor allem auf den hohen Gehalt an antioxidativ wirksamen Polyphenolen zurückgeführt.